Wandlungsprozesse verlangen nach neuen Wegen

Nachricht 05. Februar 2024

Ökumenischer Kongress „Seele im Gesundheitswesen“ in Hannover

ZfSB-Direktorin Angela Grimm (von links), Geschäftsführer Uwe Keller-Denecke und Oberkirchenrätin Anja Garbe, Leiterin des Seelsorgereferates der hannoverschen Landeskirche, freuen sich auf den Kongress in Hannover. Foto: Andrea Hesse

„Seele im Gesundheitswesen. Der Beitrag der Kirche zur gesellschaftlichen Wohlfahrt“ – unter dieser Überschrift steht der dreitägige Ökumenische Kongress der Seelsorge im Krankenhaus und Gesundheitswesen, der im Juni dieses Jahres in Hannover stattfindet. „Seit dem ersten Kongress dieser Art 2017 in München sind die Fragestellungen und Themen, die die Seelsorge im Gesundheitswesen umtreiben, noch relevanter und dringlicher geworden“, sagt Uwe Keller-Denecke vom Zentrum für Seelsorge und Beratung in Hannover. Als Geschäftsführer des Kongresses erarbeitete er mit einem ökumenischen Team die Themenfelder, die vom 10. bis 12. Juni 2024 im hannoverschen Kongresszentrum HCC bearbeitet werden.

„Berufsbild und Selbstverständnis der Seelsorgenden sind einem umfassenden Wandlungsprozess ausgesetzt“, erklärt Keller-Denecke. Er verweist unter anderem auf den Münsteraner Theologen Prof. Traugott Roser, der an der dortigen Evangelischen Fakultät den Masterstudiengang „Spiritual Care“ entwickelte. Ab dem Wintersemester 2024/25 werden hier Studierende mit Vorbildung aus Theologie oder Gesundheits-/Sozialwesen in sechs Semestern dafür qualifiziert, eine eigenständige Profession zu entwickeln. Roser selbst wird das Ausbildungskonzept des Studiengangs beim Kongress in Hannover vorstellen; Prof. Simon Peng-Keller (Zürich) begründet in einem weiteren Vortrag den Gedanken, den christlichen Heilungsauftrag in Form einer spezialisierten Spiritual Care zu profilieren.

„Wir brauchen neue Wege, um qualifizierte Seelsorgende für das Gesundheitswesen zu gewinnen“, hebt Keller-Denecke hervor. Inter- und multiprofessionelle Teams, in denen beruflich und ehrenamtlich Tätige zusammenarbeiten, erforderten zukünftig eine abgestimmte Gestaltung der eigenen Rolle. Wie Gesundheitswesen und Kirchen diese Entwicklungen integrieren können, bearbeitet unter anderem das Podiumsgespräch „Christliche Krankenhausseelsorge am Scheideweg“ mit Prof. Annette Haußmann (Heidelberg), Prof. Traugott Roser und Prof. Simon Peng-Keller. Sie werden erstmals ein ökumenisches White Paper zur aktuellen Spiritual-Care-Diskussion vorstellen. Erarbeitet wurde das Dokument von Fachpersonen aus Belgien, Deutschland, England, den Niederlanden, Schottland, der Schweiz und den USA. 

„Während der Covid-Pandemie waren digitale Tools eine große Hilfe für die Kontaktgestaltung“, lenkt Keller-Denecke den Blick auf ein weiteres Schwerpunktthema des Kongresses. „Aktuell wird Digitalität verstärkt mit Blick auf die Möglichkeiten der KI diskutiert.“ Damit rücke ein elementarer Aspekt von Seelsorge in den Fokus: die Echtheit der Kommunikation und die Frage der Verlässlichkeit von Begegnungen. Achim Blackstein, Experte für Digitale Seelsorge in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, stellt hierzu in einem Workshop die Frage, ob KI die seelsorgliche Arbeit sinnvoll erweitern könne oder ob die Herausforderungen an dieser Stelle zu groß seien.

Schließlich rückt der Kongress auch Resilienz und Salutogenese als wichtige Aspekte eines umfassenden Gesundheitsbegriffes in den Fokus. Damit seien nicht nur heilsame Ressourcen auf der individuellen persönlichen Ebene gemeint, erklärt Keller-Denecke. Vielmehr gehe es darum, mit Blick auf die Chancen einer „sorgenden Gemeinschaft“ das Gesamtfeld von Gesellschaft und Kirche zu betrachten.

Informationen zum 2. Ökumenischen Kongress „Seele im Gesundheitswesen“ sind auf der Webseite www.oek-kongress-krankenhausseelsorge.de zu finden. Hier sind bis 31. März auch Kongresstickets zum vergünstigten Frühbuchungstarif erhältlich. Veranstalterin des Kongresses ist die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers in Zusammenarbeit mit der EKD, der Deutschen Bischofskonferenz und dem Bistum Hildesheim.